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1. August Rede 2008 in Höri

gehalten von Jürg Hintermeister, Stadtrat FDP, Bülach

(Spez: Geburtstag eines „Ur-Höremer, Andy Gassmann (44) )



Zusammenkommen ist ein Beginn
Zusammenbleiben ist ein Fortschritt
Zusammenarbeiten ist ein Erfolg

(Henry Ford I.)


Geschätzte Gäste der Höremer 1. August Feier! (der 717 Geburtstag der Schweiz) Mit dieser Aussage von Henry Ford möchte ich heute hier auf dem Höriberg, am Tag von Traditionen und Stolz, meine erste Erst-August-Rede eröffnen, und mit Sicherheit werde ich etwas unüblich für diesen Tag auch etwas gegen die Tradition sprechen.

Als „Sport- und Polizeiminister“ von Bülach möchte und muss ich natürlich auch vom Sport und Bevölkerungsschutz reden und auch Parallelen vom Sport zur Politik aufzeigen. Mit der Euro 08, die hinter uns liegt, und der Olympiade, die in gut einer Woche startet, gibt es ja perfekte Beispiele vom Zusammenhang von Mannschaftssport und Einzelsport.

  • Es ist eine Ehre für mich, hier auf dem Höriberg zu sein
  • Höriberg =
  • Berg der Verbundenheit und der Nachbarn: (Kreisgemeinden sichtbar, Grenze zwischen Bezirk Bülach und Dielsdorf und auf alle Seiten in andere Gefilde)
  • Berg der Übersicht: von hier oben sieht der Besucher die Nachbargemeinden, den Flughafen, die Anrainer und kann wieder mal aus dem Kreis und „über dem Ganzen stehen“
  • Berg der Erfolge: (Höriturnier schon zur Jugendzeit legendär)
  • Berg der jugendlichen Erinnerung: (Romantik, Unerlaubtes und Erlaubtes).

  • „Hier auf dem Höriberg stehend sieht man in alle uns nahe stehenden Kreisgemeinden (Büli, Babü, Hochfelden, Winkel), die in irgend einer Form an Höri angrenzen und wo auch in verschiedenen Bereichen bereits eine sehr gute Zusammenarbeit besteht.

  • _Von hier oben gesehen, mit etwas Schalk und Schmunzeln in der Aussage, die auch nicht ganz so ernst genommen darf, ist Höri ja quasi das Cockpit unserer Region, und somit müsste doch Höri der Bezirkshauptort sein oder? _

  • Eigentlich ist es egal, welche Ortschaft Bezirkshauptort ist, egal wer der Stärkste und wer der Schwächste ist (siehe Euro 08), der starke Spieler alleine (wie z.B. der Portugiese Christiano Ronaldo) hat heute keine Chance mehr als Superheld dazustehen und den Titel im Alleingang zu holen, und der kleine sowieso nicht.

  • Die Zeit hat sich geändert, das Tempo ist forscher geworden und die Wichtigkeit, als Mannschaft aufzutreten und zu agieren und in unserem Fall das Zürcher Unterland zu stärken und gemeinsam als eine Region aufzutreten, die am gleichen Strick zieht und für die gleiche Sache kämpft, wird immer dominanter und überlebenswichtiger.

  • Es gibt einige Themen, wo es sich gelohnt hat, zusammen etwas zu erschaffen und gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Am Beispiel vom Flughafen (Parallelpiste) haben wir in jüngster Vergangenheit gezeigt, dass es sogar möglich ist, den Bund auf uns aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass wir „eben nicht der Abfallkübel“ im Züri Nord sind, sondern dass auch wir eine Berechtigung zum Wachstum haben…..

  • In der Polizeiarbeit, Feuerwehr, Zivilschutz, arbeiten „wir Kreisgemeinden“ bereits zusammen („noch“ Ausnahme Höri bei der Polizei, aber hoffentlich nicht mehr lange _) und es funktioniert sehr gut mit Komplimenten von Kantonsseite, mit grösser werdender Effizienz in der Verbrechungsbekämpfung und Brandbekämpfung. Vor allem in der Polizeiarbeit gelten wir als Pilotregion die zeigt, dass das Miteinander mehr Effizienz und Wirksamkeit an den Tag legt als der Einzelkampf.


  • Die Standortvorteile der Schweiz, des Raumes Zürich und sogar des Zürcher Unterlandes sind attraktiv und werden immer mehr von internationalen Firmen und ihren Mitarbeitern genutzt. Wir haben neu Chiquitta und Yahoo in Rolles, Google in ZH und DPD in Buchs (um nur einige zu nennen) und mit Firmen wie Landert, Wiegand, Xerox, Oertli, Bomatec, …..immer mehr kleine und mittlere technische- oder Handels-Unternehmen in Bülach, Bachenbülach und Höri, die international immer stärker werden. Wir haben einen Tourismusverein, der mit immensem Einsatz die Qualitäten des ZU ans Tageslicht und in Umlauf bringt (auch hier sind bereits viele Gemeinden angeschlossen). Wenn umgekehrt jeder für sich kämpft, werden Attraktivität und Stärke, die noch zu sehr vor sich hin schlummern, nie richtig beachtet werden, und das ZU wird seine wahre Schlagkraft nicht ausspielen können.


  • Wenn jeder für sich an den alten traditionellen Werten (die durchaus ein wichtiger Bestandteil von unserer Lebensqualität sind) festhält und in seinem „Gärtli“ ein konsequentes „Schaufensterdenken“ lebt, werden wir uns selber nicht weiterbringen. Es wird weiterhin „schön und herzig“ bei uns im ZU sein, aber wir werden uns nicht weiterentwickeln können. Was nützt es, wenn jede Gemeinde eine Schiessanlage und eine Sportanlage unterhält, oder andere Infrastrukturen, und jeder kämpft mit den gleichen Problemen ums Überleben!?

  • Über den eigenen Schatten zu springen, sich vom traditionellen „isch scho immer eso gsi“ zu lösen und nach neuen vielleicht auch am Anfang unpopulären Lösungen zu suchen, verlangt Mut und Weitsicht, aber genau das brauchen wir heute.

„Es braucht relativ wenig Mut, alleine für etwas einzustehen, wovon man selber überzeugt ist, aber es braucht 4x mehr Mut, sich in den Dienst einer gemeinsamen Sache zu stellen, seinen Platz in einem Team zu finden und gemeinsam für diese Sache und das Ziel zu kämpfen.“


Wir „verkaufen“ nicht einfach ein Produkt, sondern eine Geschichte (Tradition (!)) und stehen aber gleichermassen ein für eine Gegenwart und Zukunft „Züri Unterland“. Dies wird uns aber nur als Mannschaft und nicht als Einzelsportler gelingen. In der Politik gibt es zurzeit leider immer noch mehr Einzelsportler, die sich zu fest auf die eigene Profilierung konzentrieren als auf die Sache, ob das nun eine Gemeinde, eine Region oder ein Sachgeschäft betrifft. Das Wohl aller und die Sache, um die es geht, müssen immer im Vordergrund stehen. Nicht die Politiker oder Einzelkämpfer……..die nehmen sich in den meisten Fällen viel zu wichtig. „Die Mannschaft ist der Star, und das Weiterbringen unserer Region der Pokal, den es zu holen gilt!“ Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, das braucht viel zuviel Zeit und die „Räder“ die wir haben sind sehr gut, aber wir müssen schauen dass sich die Räder drehen und das Tempo mithalten können.

Seit der Euro 2004, als Griechenland überraschend Europameister wurde, und der Euro dieses Jahr in unserem Land wissen wir, dass nicht der Trainer mit der grössten Mannschaft und den besten Namen reüssiert und den Erfolg eigentlich ganz selbstverständlich gebucht haben sollte. Vielmehr ist es jener andere, der fähig ist, eine Truppe, eine Mannschaft zusammen zu stellen, die für dieses eine Spiel oder dieses eine Turnier, für dieses eine Projekt wie „wir“ es gezeigt haben in Sachen Bund und Parallelpiste , genau die richtige ist und die richtigen „Stürmer, Mittelfeldspieler und Verteidiger“ einsetzt, welche das Ziel erreichen und den Pokal nach Hause bringen.

„Chumm bring en hei“ haben sich die Spanier an der Euro 08 gesagt, Raul den besten Spieler überhaupt zu Hause gelassen und mit einem neu zusammengestellten Team den Titel geholt. Die richtige Gemeinsamkeit zur richtigen Zeit am richtigen Ort!






Wir stehen in unserer Region vor mehreren grösseren Projekten, eines liegt mir natürlich sehr am Herzen: die regionale Sportanlage. Wir haben nun viele formale und rechtliche Hürden geschafft und können nach langer Wartezeit (ob berechtigt oder nicht) endlich in die letzte Phase des Rennens einsteigen. Und auch in diesem grossen Projekt geht es nur miteinander. Das zeigen wir mit einer Arbeitsgruppe der Kreisgemeinden in denen auch die Vereine mit Beraterfunktion mitarbeiten, die den Bedürfnisnachweis erbracht haben und sich jetzt zusammen an die harte Nuss der Finanzierung und der Betriebsform der zukünftigen Sportanlagen wagen. Miteinander nach der idealen Lösung suchen und die Bedürfnisse aller mit einpacken. Darum geht es…..

Denn was nützt es, wenn eine Sportanlage entsteht, die einem Denkmal gleicht, nur weil sie den Bedürfnissen einer Person, einer Gemeinde oder einer Gruppierung gerecht wird? Sie nützt niemandem. Wir haben hier eine weitere Chance -wie beim Flughafen- zu zeigen, dass wir gemeinsam für alle etwas erreichen, was:

  • Anerkennung im Sinne des Miteinander ernten wird
  • den Sportvereinen nach langem Warten und Ausharren unter widrigsten Umständen neue Perspektiven öffnet
  • nachhaltig sein wird……..

……und auch einen grossen sozialen Beitrag im Bereich der Prävention im Bereich „Jugend und Gewalt“ bringen wird. Die Vereine und die Gemeinden werden mehr Möglichkeiten bekommen, den Jugendlichen eine spannende Alternative zum Rumhängen, zur Langeweile und zum Dauer-PC-Spiel bieten zu können.


  • Jugend und Gewalt ist leider ein immer wichtigeres und aktuelleres Thema geworden. Es bildet heute überall den Schwerpunkt von Polizeiarbeit und Kriminalprävention. (Diese Woche sogar Bericht im Zürcher Unterländer)


aber wussten Sie, dass…….
  • 37 (!) kantonale Behörden bereits Präventionsmassnahmen vorbereitet haben und noch ergänzen werden?

  • Sie werden sagen „toll, es passiert etwas“. Genau, aber es passiert 37x auf 37 eigenen Ideen basierend, und vermutlich machen 37 Gremien die gleichen Fehler, weil zu wenig miteinander geredet wird.

  • Eine Umfrage bei den zuständigen Polizeiabteilungen und dem daraus entstandenen Massnahmenplan „Jugend und Gewalt“ zeigt klar auf, dass der Wissensstand noch viel zu lückenhaft ist. Der Erfahrungsaustausch, die einheitlichen Präventionsmassnahmen und die enge Zusammenarbeit sind dringend notwendig und werden jetzt auch in Angriff genommen --- und zwar miteinander --- in Angriff genommen! ( in Form des Massnahmenplans 2008 Jugend und Gewalt)





Schlussaussagen

Die Stärkung des ZU mit all unseren Problemen und Projekten ist eine Querschnittaufgabe für alle Instanzen: Behörden, Vereine, Interessenverbände und Persönlichkeiten. Wer es alleine schaffen will, wird sich „dopen“ müssen, und dass Doping nur einen kurzfristigen Erfolg bringt, wird uns mit der Tour de France und vermutlich leider auch nächste Woche in Peking an der Olympiade immer wieder gezeigt.

Die Zeiten von „Napoleon“, „Gladiator“, oder „Spiderman“, um wieder in die Gegenwart zu kommen, wo ein Superheld alleine die Welt rettet, sind vorbei. Gemeinsamkeit, Miteinander und Synergien nutzen müssen die neuen Schlagwörter sein. Wir müssen unserer Einstellung (darum geht es meine Damen und Herren), unsere Einstellung vom Einzelsportler zum Teamplayer wechseln und miteinander für ein starkes Züri Unterland einstehen und gemeinsam marschieren.

„Einstellung kontrolliert die Motivation, Motivation kontrolliert die Leistung und die Leistung kontrolliert den Erfolg“


Zusammenkommen ist ein Beginn
Zusammenbleiben ist ein Fortschritt
Zusammenarbeiten ist ein Erfolg


Nun wünsche ich Ihnen viel „gemeinsames“ Vergnügen bei einer weiteren Geburtstagsfeier unserer Schweiz.

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